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Sartoscht (Zãrãthustrã) Spantmãn
- Leben und Werk -

Leserartikel von "Bahmanfar", bahmanfar@t-online.de


An einem 6. Farwardin (= 26. März), im Frühjahr vor 3770 Jahren erblickte ein Kind, mit einem Lächeln auf den Lippen, das Licht der Welt. Es war ein Junge; man nannte ihn Sartoscht (Zãrãthustrã). Seine Mutter hieß Doghdu, sein Vater Purschasp. Die Familie mit dem Rufnamen Spantmãn lebte in der Nähe eines Flusses in Khorassan (im Osten Irans), wo auch die Geburtsstätte Zãrãthustrãs war. Zãrãthustrã wuchs, suchend und fragend, wie jedes andere Kind heran; aber er fragte mit Elan und Nachdruck. Er fragte immer wieder nach dem Sinn der vielen Götter und Gottheiten, nach deren vielen angeblichen Wundertaten, die man ihnen andichtete. Er suchte nach einleuchtenden Antworten. Er versuchte, die sagenumwobenen Geheimnisse und Rätsel der blutigen Opferrituale der Priester zu enträtseln. Er versuchte, die Ursache des Herrschaftsanspruchs der Machthaber zu erklären und den Ausweg für die Entrechteten und Unterdrückten zu finden. Als er keine vernünftigen Antworten bekam und er immer wieder darauf beharrte, wiesen ihn schließlich die religiösen Würdenträger und die Machthaber seines Landes von sich. Inzwischen war er zu einem jungen Mann herangewachsen. Da er von den Machthabern und Würdenträgern enttäuscht war, kehrte er in sich hinein und beobachtete und erforschte die Welt und das All, deren Lauf und Drehung. Er sah und beobachtete alle Dinge seiner Umgebung; er forschte und verglich; er redete und unterhielt sich mit den Menschen; er lernte von ihnen und allen anderen Dingen. Von einem seiner Lehrer lernte er auch den Gesang und die Kunst der Dichtung. Im Laufe seiner schöpferischen und fruchtbaren Suche kam er von der Ordnung der Welt zu der Weltordnung (= Aschã) des Schöpfers. Von der
Selbsterkenntnis und der Welterkenntnis zu der Gotteserkenntnis
Diese schöpferische Erkenntnis und Einsicht in den Gott führten ihn dazu, den Gott als Masdã (= den Allwissenden) oder AhurâMasdâ (=das allweise Sein) zu benennen. Er sah in Gott den Schöpfer, den Allweisen, den Allwissenden, den Allmächtigen; daher begründete er seine Botschaft und Lehre auf drei Fundamente:
"weises Denken", "weises Reden" und "weises Wirken".


In der Folgezeit meditierte er und hielt inne, nur zu seinem Gott Masdã und er empfing in inniger Andacht die weisen Botschaften. Mit dreißig Jahren offenbarte sich Zãrãthustrã seinen Mitmenschen. Er verkündete ihnen seine Einsichten, Empfindungen und tiefergreifenden Gedanken. Er überbrachte ihnen die Erkenntnis über den alleinigen und allwissenden Schöpfer, der die Welt wohl in geordneter Weise geschaffen haben muss, schön und gut. Zãrãthustrã gründete die Religion des Wohles ( Diné Behi ) auf Erden, für alle Bewohner der Erde. Die Botschaft Zãrãthustrãs beunruhigte die damaligen religiösen Würdenträger und die weltlichen Machthaber stark. Diese begannen mit Anfeindungen und Verunglimpfungen gegen ihn und seine Mitstreiter, bis er schließlich nach zehn Jahren voller Kummer und Qual seine Heimat verließ und mit einigen Weggefährten nach Sistan 1) übersiedelte. In diesem Land regierte der Schah Goschtasp 2) am Hamun-See 3), wo in unseren Tagen die Stadt Sabol liegt und zu damaliger Zeit die Hauptstadt des Goschtasp-Schah war. Dieser war ein Ritter, zwar streng, aber wohl besonnen, redegewandt und kritisch. Zwei Jahre verbrachte Zãrãthustrã damit, Goschtasp-Schah und seine Gelehrten in ausgiebigen Klausuren und Streitgesprächen in seine Lehre einzuführen. Schließlich schlossen sich alle samt ihren Familien Zãrãthustrã an. Sie nahmen seine Lehre an und machten sie sich zu eigen. Von kriegerischen Auseinandersetzungen, die damals Gang und Gäbe waren, rückten sie nun ab und versuchten nunmehr Frieden zu stiften und zu verbreiten. Anstatt die Feindbildervorstellungen der Menschen und der Völker aufrecht zu halten oder gar zu schüren, streckten sie überall ihre Hand aus, um Frieden zu schließen und ihre Kräfte und Anstrengungen dazu zu benutzen, ihre Umwelt, ihre Kultur, ihr Leben neu zu gestalten, im Einklang mit der Lehre Zãrãthustrãs, nach den Grundsätzen der Religion des Wohles (Diné Behi). Mit der Verbreitung der Religion des Wohles ging die Prosperität des Landes einher. Nachdem sich die Mitstreiter Zãrãthustrãs ausreichend ausgebildet hatten, gingen sie in alle Richtungen des großen Landes, um die Botschaft von der neuen Lehre allen Menschen zu überbringen. Sie gaben den Menschen ihr Wissen und erteilten ihnen Ratschläge; zu entscheiden und zu wählen hätten die Menschen nun selbst, so wie die Lehre Zãrãthustrãs es kennt. Sie, die Menschen hätten nun die Wahl, aus eigener Entschlußkraft sich für die Religion des Wohles zu entscheiden und nach der Lehre zu handeln und zu leben. Zãrãthustrã schied mit 77 (siebenundsiebzig) Jahren und vierzig Tagen (am 4. Mai vor 3694 Jahren) aus unserer Welt; von Freudenglück erfüllt, für die gesamte Menschheit, seine tiefgreifende Lehre hinterlassen zu haben. Zãrãthustrã hinterließ der Nachwelt seine Botschaft in Form von 17 (siebzehn) Gedichten, die allesamt Gesangsform haben. Man darf nicht vergessen, dass die Menschen damals wie heute Gesänge, d.h. das gereimte und gesungene Wort, sich besser einprägen können und unverfälschter weitergeben können, als das gehörte oder das gelesene Wort. Dieses war offensichtlich der Grund, weshalb Zãrãthustrã seine Lehre in Form von Dichtung und Gesang hinterließ. Und wir sehen heute nach über 3700 (dreitausendsiebenhundert) Jahren, dass seine Botschaft genauso frisch und genauso wegweisend ist, wie damals. Seine Lehre weist die Suchenden heute genauso wie damals auf den richtigen Weg der Erneuerung und des Seelenheils. Wie ein Wunder wirkt heutzutage sein Werk auf uns, gleichermaßen für den Wegstreiter wie für den Forscher und den interessierten Laien. Wir kennen nun sein Werk unter der Bezeichnung Gãthãs. Das ist eine kleine konzentrierte Sammlung von nur siebzehn Dichtungen, die zusammengefasst nicht mehr als ein kleines Heftchen bilden.
Warum so wenig?, fragt man sich natürlich.
Zãrãthustrã wollte offensichtlich den Menschen nur die Richtung zeigen, damit sie selbst in aller Freiheit und Freimütigkeit ihren Weg finden, und lernen, ihre Welt selbst zu gestalten und zu erneuern, zu ihrem eigenen Wohl und dem ihrer Mitmenschen, der Natur und der Zukunft, immer wieder mit neuerem Wissen und Gewissen. Die Gãthãs sind die Grundlagen des Lebens, für jede Zeit und für jeden Ort. Sie wollen kriegerische Auseinandersetzungen und Zerstörung verhindern, und suchen statt dessen den Frieden. Zorn und Hass sollen genommen und die Vernunft gefördert werden. Die Fesseln werden genommen und der freie Wille und die freie Wahl sollen jeden dazu befähigen, seinen Glauben und seine Überzeugung frei zu wählen. Zãrãthustrãs Lehre kennt keinen Rassismus und keinen Rassenhass. Sie fördert den Gemeinsinn und den sozialen Geist und fördert den Humanismus. Sie fördert die Solidarität aller Menschen in der ganzen Welt, fördert die Festigung der Familienbande sowie die Urbarmachung und Kultivierung der Umwelt, um sie zu schützen und zu pflegen. Vor allem und mehr als alles andere in der Welt lehren die Gãthãs uns von der Selbsterkenntnis über die Welterkenntnis zur Schöpfungserkenntnis zu gelangen und machen den Menschen zu einem Teil der Schöpfung, zur schöpferischen Kraft. Die Gãthãs sprechen von der Freiheit, Freimütigkeit, Wohlleben, weisem Denken, Rechtschaffenheit, Ehrlichkeit, Fortschritt, Einklang, Harmonie, Frieden, Verklärung und Ewigkeit. Mit einem Wort: die Gãthãs sind Zãrãthustrãs Werk; ein Werk hoher Dichtkunst, die sowohl als Gebetsformel an den Gott, unseren Schöpfer dienen, als auch den Menschen als Leitfaden für ein fruchtbares und gesegnetes Dasein fungieren. Sie zu singen ist die Lobpreisung an den allwissenden Gott und der Wegbereiter eines besseren Lebens.

 

PS.: Wir sind jetzt (2003 n.Chr.) im Jahre 3740 nach der Verkündigung der Lehre Zãrãthustrãs.

1) Sistan: Region im Südosten Irans. 2) vor ca. 3730 Jahren. 3) Hamun-See ist ein Binnensee im SO Irans und wird heute noch so genannt. Er grenzt an das heutige Afghanistan.