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„Statthalter“ packt über Atta aus

Im weltweit ersten Prozess zu den Anschlägen vom 11. September hat ein mutmaßliches El-Kaida-Mitglied seine Beziehung zu einem der Todespiloten geschildert. Weil er sehr viele Leute in Hamburg gekannt habe, habe Mohammed Atta ihm bei der Suche nach einer Wohnung geholfen, sagte Mounir El Motassadeq am Dienstag laut Medienberichten zu Prozessauftakt.

Bei regelmäßigen Gebeten in der Moschee hätten sich beide 1996 dann näher kennengelernt und mit anderen Studenten auch privat getroffen. Dabei sei über „religiöse und politische Themen“ gesprochen worden, erklärte der 28-jährige Marokkaner in fließendem Deutsch. Atta habe „besonders viel über die Religion gewusst“. Macht über andere habe er keine gehabt. „Er wurde aber durch sein Verhalten respektiert, nicht durch seine Meinung“, betonte El Motassadeq. „Er überzeugte uns als Person, war sehr ruhig und betete sehr regelmäßig.“

Die Polizei hatte die Straßen vor Hanseatischen Oberlandesgericht für den Durchgangsverkehr gesperrt. Der Angeklagte wurde durch einen unterirdischen Gang aus dem benachbarten Untersuchungsgefängnis ins Gericht geführt und betrat den Verhandlungssaal durch eine zusätzlich gesicherte Stahltür. Äußerlich ruhig und gelassen begrüßte er seine Anwälte und nahm neben einem Dolmetscher für Arabisch Platz, der zuvor vereidigt worden war.

Anschließend verlas Bundesanwalt Walter Hemberger eine Kurzfassung der 90-seitigen Anklageschrift. Er bezeichnete Motassadeq als „Statthalter“ der Hamburger Terrorzelle um Atta. „Er wirkte an den Plänen der Attentäter mit“, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft.

Motassadeq sei als Helfer der Gruppe um Atta bis zuletzt in die Vorbereitung der Anschläge von New York und Washington eingebunden gewesen. Spätestens im Sommer 1999 habe er sich mit sechs weiteren muslimischen Studenten zu einer Terrorzelle um den späteren Todespiloten Atta zusammengeschlossen, aus der heraus die Anschläge des 11. September geplant und ausgeführt wurden, sagte Hemberger. Dabei sei das Ziel gewesen, „aus niedrigen Beweggründen“ Menschen zu töten. Zudem habe Motassadeq eine Kontovollmacht des späteren Todespiloten Marwan Al Shehhi gehabt, Geld an seine Komplizen weitergeleitet und die Abreise der Attentäter aus Hamburg verschleiert.

Motassadeq muss sich wegen Beihilfe zum Mord in nunmehr 3045 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Seinen Anwälten zufolge will er zugegeben, eine Kontovollmacht gehabt zu haben, will aber kein Geld in die USA geschickt haben.

ap/dpa




Motassadeq und Atta kamen sich beim Beten näher.
(ap/dpa)