WAHL
IM IRAK
Saddam Hussein zu 100 Prozent weiter
Präsident
Stern/ Reuters - 16.10.2002
Die Präsidentenwahl
in Irak hat nach Angaben aus Bagdad eine 100-prozentige Zustimmung für Amtsinhaber
Saddam Hussein ergeben. Alle 11.445.638 Wahlberechtigten seien an die Urnen gegangen
und hätten ihrem Staatschef eine weitere siebenjährige Amtszeit gewährt,
erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Revolutionären Kommandorats,
Issat Ibrahim, am Mittwoch in der irakischen Hauptstadt. Die USA sprachen dem
Wahlergebnis jegliche Glaubwürdigkeit ab.
»Manifestation
der Demokratie«
»Dies ist eine einzigartige Manifestation der
Demokratie, die allen anderen Formen der Demokratie überlegen ist - selbst
in Ländern, die Irak belagern und ersticken wollen«, sagte Ibrahim
mit Bezug auf die Vereinigten Staaten und fügte warnend hinzu: »Im
Falle einer Aggression müssen sich die Amerikaner all diesen Leuten stellen,
die jetzt mit Ja gestimmt haben.« Diese würden in jedem Dorf, in jedem
Haus für ihr Land kämpfen.
100-prozentiges
Endergebnis?
Zuvor hatte US-Regierungssprecher Ari Fleischer in Washington
erklärt, diese Wahl ohne einen Gegenkandidaten sei keinesfalls ernst zu nehmen.
Auch sei es unglaubwürdig, dass mehr als elf Millionen Stimmzettel so schnell
ausgezählt werden könnten, um mit Sicherheit ein 100-prozentiges Endergebnis
deklarieren zu können.
Bei
letzter Wahl »nur« 99,96 Prozent für Hussein
Beim letzten
Referendum im Oktober 1995 hatten 99,96 Prozent der Wahlberechtigten für
Saddam Hussein gestimmt. Schon vor der Wahl am Dienstag hatte sich die Regierung
entschlossen gezeigt, dieses Ergebnis zu verbessern. Beobachtungen zufolge gaben
die Wähler mitunter gleich mehrere Stimmzettel ab mit der Begründung,
sie hätten für ihre Familienmitglieder mitgewählt. Ibrahim ließ
jedoch keine Einwände gegen das Ergebnis gelten.
Jubelfeiern
in Bagdad
In Bagdad begannen unterdessen die Jubelfeiern. Der Mittwoch
war schon vor Bekanntgabe des Ergebnisses zum Feiertag erklärt worden. In
Scharen strömten Männer auf die Straßen und vollführten Freudentänze.
Ein Lastwagenfahrer erklärte, die 100-prozentige Zustimmung für Saddam
Hussein zeige die Bereitschaft der Iraker, ihr Land und ihren Präsidenten
zu verteidigen.
Thema
Opposition
Ibrahim betonte, das Ergebnis beweise, dass es innerhalb Iraks
keine Opposition gegen Saddam Hussein gebe. Diese sei lediglich im Norden des
Landes anzutreffen. Er bezog sich damit offensichtlich auf die von Kurden bewohnte
Schutzzone, die nicht an der Wahl beteiligt war. Eine Umfrage unter rund 3.000
Anwohnern dort ergab, dass 94,5 Prozent gegen Saddam Hussein gestimmt hätten,
wie die in London erscheinende Zeitung »Al Hayat« am Mittwoch berichtete.