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Freitag, der 07. Oktober 2022

Iranreise

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Ich habe nach vielen Jahren beschlossen in den Iran zu reisen. Ganz langsam fing ich an, mich meiner Kultur anzunöhern. Eine Kultur, in der ich aufgewachsen bin und doch mich nicht mehr mit ihm identifizieren kann. Die erste Begegnung ist im iranischen Botschaft, wo für Wartenden ein Fernseher (mit persisch synchronisierten Filme) ständig eingeschaltet war. Ach ja! wir und Fernsehen! das ununterbrochen an ist, das zu einem Herangehen zu Menschen dienen kann, während die gefährlichen Schweigepausen überbrücken wird...

Danach hat mich Fernsehen von Flugzeug, in dem Iran, in allen Häuser, bei allen Besuche, bis zu meinem Rückkehr begleitet.
Danach während ein Taxi uns nach Hause bringt, bekomme ich mein erster Schock, überholen Rechts, Links, ständig Hupen, und das auf die ganze Straße, von allem, ohne ein Unfall! Solche Ereignisse, die ich (im Gegensatz zu preußischer Ordnung) später immer wieder miterlebte hatten insgesamt etwas Lockeres, Entspanntes für mich. Ich fühlte kein Druck oder Angst mehr, es geht auch anders dachte ich," du" bist eingedeutscht!

Die ersten Tage dient aus schließlich zum kennen lernen, nicht nur die Menschen, die Städte, Bräuche etc. fast alles hatte sich geändert und doch manchmal fühle ich, dass sich nichts grundlegend geändert hat außer den Form.
Viele male hatte ich den Iranern hier erzählen hören, von ihren Erinnerungen im Iran, die sie mit glänzenden Augen beschrieben, mit der Sicherheit, dass alles nur einige Flugstunden entfernt ist. Und doch was ich von Iranern (die länger als ich hier waren) hörte, ließ mich vermuten, dass all diese Erinnerungen außer in ihren Köpfe nirgendwo existieren.

Jetzt gehe ich selbst auf den Fang meiner Erinnerungen:
Wie in meiner Kindheit fing ich von unseren "Kütsche" an.
Was mir bald ein fällt ist, dass ich nur Kinder, Alten und Jugendlichen sehe, die in meiner alter, sind nicht zu sehen (die meisten sind wie ich vielleicht in Ausland). Die Alten kommen mir gebrochen und oft krank vor, wobei es selbstverständlich ist, dass jemand ab 50 Dutzende Krankheiten hat.(piri o hesar dard) Anderseits erkenne ich die Jüngeren überhaupt nicht und muss ständig nach ihren Namen fragen. Einig sind oder erwarten den Tod. wobei ich auch feststelle ,dass der Tod ein völlig selbstverständliche, unauffällige und auch teuere Sache geworden ist.

Die Stadt (Tehran) ist sauberer und grüner. Verwahrlose Hunde sehe ich überhaupt nicht mehr aber die Katzen laufen fast Uberall! Auffällig ist auch die Zunahme der Bettler und die Erweiterung ihre Zonen. Damals war die "Enghelab" Straße die "unbesagte" Grenze zwischen " reiche "Norden und "arme" Süden (mit ihrer Stufen, d.h. je nördlicher, umso reicher und je südlicher, desto ärmer). Dementsprechend sah ich über die "Grenze" sehr selten Bettler, jetzt sehe ich auf unsere Straße ja sogar noch nördlicher überall Bettler. Interessant ist, dass der Staat sich auch daran beteiligt, ich sehe überall Kästen auf der Straßen, worein man Geld stecken kann. Auf die Kästen stehen "Sprüche" ,wie sehr diese Gelder auf diesseits Gesundheit und auf jenseits Segen bringen würden. Die Straßenverkäufer sind wie früher da, wobei ich höre, dass ihre eigentliche Geschäfte nicht die paar Zigaretten und Seifen vor ihnen, sondern" illegale " sind(nicht Alle!). Auch gibt es ein neue Art von Läden, Sie verkaufen ausländischen ( vor allem Hygiene und Kosmetik) Waren. Tehran ist riesig geworden, aber nicht ein "Megastadt", mir kommt es trotz ihre Größe wie ein "Dorf" vor. Denkt man an die Zahl der Bevölkerung ( etwa 70 mil.) und an die Zahl der Tehranern (etwa 15 mil.), muss man wohl annehmen, dass 1/5 der Iranern in Tehran leben! Irgendwann sehe ich ein Buchstraßenverkäufer, ich hatte hier gehört, dass man auch viele Bücher, die in "Handel" nicht erhältlich sind, "illegal" kaufen kann. Mit großer Erstaunen sehe ich ein Buch von Kasrawi, als ich das Buch schaue, kommt er zu mir und fragt: Ja?? hast du "schi i - gari"? ja! wie viel? 2000 Tuman. Ohne ein Wort trennen wir uns. Ich hatte es vor Jahren gelesen und wollte nur sehen ob das, was ich gehört hatte, stimmt.
Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen nach all den Jahren Tumult, Krieg ,Scud Raketen, Inflation, etc. etc...nur noch leben wollen ...

Man raucht nicht mehr auf der Straße und ich fange an, nach kürzer Zeit schlechtes Gewissen beim Rauchen zu haben. Ich hatte hier in einem Buch von Herrn Scholl-Latour gelesen: jede 50 Iraner ist süchtig, als ich das erwähne lacht man mich aus, jede 50? jede 30, jede20!
Das Wetter ist unbeschreiblich! Damals lachte ich mit meinen Freunden über diese "Europäer": sie reden immer über das Wetter! Kann man ein Gespräch mit dem Thema "Wetter" anfangen?!! Erst nach meinem Leben in Deutschland konnte ich das begreifen...und jetzt ist es vorbei! Immer Sonne, kein Wettervorhersage mehr! Apropos Wetter, der "Smog" hat erschreckenden Maße eingenommen. Ich sehe mit "Schreck" manchmal Menschen, die mit einer kleine Gasmaske auf der Straße laufen, Ich komme mir wie in "1984" vor.
Ich habe das Gefühl, dass das Leben und die Menschen noch "verschlossener" noch" introvertierter" geworden sind, ich sehe nicht mehr" das Leben auf der Straße" . Vormittags sehe ich viele Alten im Parks, offensichtlich haben sie kein andere "Treff" Möglichkeit.

Ich gehe vor die tehraner "Uni" hin, wo immer noch das Zentrum von Buchhändler ist (Tehran war und ist nach "Beruf" unter geteilt) doch die "Atmosphäre" ist nicht mehr wie früher. In meiner freudigen Vergleich zwischen" Mark" und "Tuman" will ich ein paar Bücher kaufen, Doch meine kleine Schwester bremst mich: nein! nein! du sollst feilschen! was? feilschen? in einer Buchladen? völlig verwirt überlasse ich es ihr, sie feilscht, und das funktioniert! Ich genieße die lockere, einfache Umgang überall, nur kein hole "Danke schön, Bitte schön" mehr!
Die" Massen" der Menschen, die alle schnell laufen (warum?) ist mir nicht mehr Gewöhnt und machen mir manchmal Angst! Ich "entdecke" Läden, die nur mein geliebte "Piraaschkie" verkaufen, ich gehe rein und sehe , dass viel mehr Sorten als früher gibt. Die Uberquerung der Straßen ist mir riskant und "abenteuerlich" geworden. Ich komme mir manchmal wie ein "Kind" vor... es ist einfach ein anderes Land. Mein Land und doch nicht mehr mein Land. Ich bin schon an "rechts stehen, links gehen" angepasst. Ich sehe natürlich wie ein Iraner aus und genau aus diesem Grund empfange ich kein Verständnis sondern Erstaunen.

Ich hatte das Gefühl, irgendwie nicht mehr als "Iraner" behandelt zu werden. Das ereicht ihre Höhepunkt als jemand "in ihrem Land" (!) (Deutschland) als Vergleich erwähnt.
Angekommen in "Almaan" ,am Flughafen, merke ich, dass ich keinen Pfennig habe, ich brauche aber für kürzen Weg bis zur Empfangshalle, wo jemand mich abholt, 1 Mark! Denn es ist mir unmöglich mein Gepäck zu tragen, ich bin unheimlich müde und habe viel Gepäck! Soll ich jemanden darum bitten, bis nächste 50 Meter mir eine Mark leihen?! Denn den Arbeiter bei den "Wagenautomat" scheint sich nicht dafür zu interessieren.

Ich komme mir wie mein" ersten Stunden" in Deutschland vor.
Auf einmal erinnere ich mich, genau die selbe Situation bei meiner Ankunft in Tehran gehabt zu haben, damals habe ich es einen "Behörde" gesagt und er sagte mir einfach "Sag ihnen, sie sollen dir ein Wagen geben!" Aber ein Blick auf meine Umgebung, auf die Passagieren, die nur schneller weggehen wollen, macht mir deutlich, dass ich mich wieder in Deutschland befinde. Zum Glück läst endlich ein Mitreisender dieses Problem, und "holt" mir ein Wagen. Ich weiß nicht, wer du warst, lieber Herr! Wo du immer bist, Merci! 1000 mal!

Ich möchte zum Schluss mit einem Zitat von S.Hedayat (Die blinde Eule) übersetzt von B.Nirumand mein Bericht beenden:

" Sackgasse"
...Nach der Rückkehr in seiner Geburtsstadt war ihm alles sehr eng, beschränkt, oberflächlich und klein erschienen. Auch die Menschen ihm verbraucht und ausgelaugt vorgekommen. Alle, die er kannte, hatten ihre Krallen tiefer und tiefer in den Bauch des Lebens gegraben; ihre Ängste, ihre Gewohnheiten, ihr Aberglauben und ihre Eigenliebe hatten sich erheblich verstärkt. Manche von ihnen hatten scheinbar ihre Ziele erreicht und ihre primitiven, oberflächlichen Wünsche erfüllt...
War er denn nicht selbst ebenfalls alt und träge geworden?...
Vielleicht hatte sich die Welt nicht verändert, vielleicht waren es das Alter und die Hoffnungslosigkeit, die in ihm den Eindruck erweckten, als h?tten alle Gegenstände und Menschen ihre Anziehungskraft, die zauberhafte Schönheit ihrer Jugend verloren...

 

 

 

 

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