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Nahid Bagheri Goldschmied

ihre Werke in persisch

Atemberaubend
Bedürfnis
Auf welcher Erdenseite stehst du?!
Von einer Fremdheit zur anderen
Der Papierdrache
Sprich mit mir nicht über die Angst

Nahid Bagheri-Goldschmied

Die Lyrikerin - Schriftstellerin Nahid Bagheri Goldschmied geboren in Teheran/Iran, Tochter eines Unternehmers und seiner Frau, arbeitete als Journalistin und studierte persisch - arabische Sprache - und Literaturwissenschaft.
Seit 1980 lebt sie in Österreich
1983 heiratete sie einen österreichischen Physiker

Literarische Tätigkeiten:
· Mitgliedschaft und Einzeldelegierte bei der IG - Autoren Autorinnen Österreich
Mitgliedschaft bei dem Österreichischen P.E.N. Club

Werke:
"Kantate der Liebe"( Lyrik ), "Mohnrotezeichen" ( Lyrik), "Treffen im Herbst" (Lyrik), "In der Fremde" (Lyrik) deutsch-persisch bei Mlakar Verlag(94) Judenburg, "Khawar" (Roman - persisch), Schweden (98), "Die Fenster der Welt" (Lyrik), Schweden (03), Gründung und dreijährige Herausgabe der Kulturzeitschrift "Sokhane Ashena" (vertraute Stimme), Mitwirkung bei vielen Anthologien in Österreich, Deutschland…z.B.: "Ein ?uch für Afrika" (86), " Pflücke die Sterne Sultanin" Heike Wenig Verlag, BRD - Dorsten (97), "Stimmen aus Österreich" StyriaVerlag, (96), "Die Fremde in mir" (99) Helmuth A. Niederle (Hrg.), "Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch" Milena Verlag, (dieses Buch erhielt den Bruno Kreisky Preis 2000), "Grenzgänger" Edition Exil 2001…

- Zahlreiche Lesungen in Österreich, in Europa, und in den USA
- Erhalt des Lyrikpreises 2001 (Schreiben zwischen den Kulturen 2001 - Verein Exil) für das Gedicht: "Von einer Fremdheit zur anderen"

Berufe, erlernt oder ausgeübt in Österreich:
kaufmännische Angestellte bei der Gewerkschaft, Administratorin beim Verband der Wiener Volksbildung, Übersetzerin (persisch- deutsch), Kursleiterin an Polly College Stöbergasse und in der VHS Favoriten, freie Journalistin für muttersprachliche Exil - Medien in Europa und in den USA …



Auf welcher Erdenseite stehst du?!

Brotmangel auf meiner stets leeren Tischdecke
Brotmangel allein schmerzt mich nicht
im Haus, in dem ich unwillkommener Gast bin.
Die Schauseite meines Lebens
wird bei Tag und bei Nacht
von den Peitschenschlägen der Ohrfeigen
gewärmt und gerötet.

Die neuen Risse in der niedrigen Decke
am Verbindungsgang zu sehen,
schmerzen mich.

Du, meine Nachbarin!
Jede Nacht,
hinter der geschlossenen Eisentüre,
versperrst du deine Leutseligkeit mit einem schweren Schloss.
Du gehst zu Bett mit den Bildern
deines mächtigen Großvaters in Militärstiefeln.

Du, meine Nachbarin!
Jeden Tag auf der Treppe
flüchtest du vor meinem Lächeln und der Begrüßung,
und immer wieder
bist du beunruhigt über den Fortbestand der besseren Rasse!

Der Glanzmangel deiner Blicke schmerzt mich,
deine seelenlosen blauen Augen,
die nicht weiter als bis zur Hausmauer sehen,
nicht weiter.

Mich schmerzt die Unnahbarkeit deiner Hände,
die jede Hand wegstoßen,
welche nicht deine Hautfarbe hat.

Im Farbgemisch der belebten Straßen
schmerzen mich
die Schimpfworte, die dir aus dem Mund schießen
für jede Stimme, die nicht deine Sprache spricht.

Ich kenne keine Einsamkeit,
weil schon zu lange an allen Wegkreuzungen
dieses Weltdorfes die Spuren meiner Liebe zu finden sind
und mein Herz schlägt
mit dem Puls aller fünf Kontinente.

Meine Nachbarin!
Die Kleinheit deiner Welt schmerzt mich.

Hast du dir je Gedanken gemacht,
auf welcher Erdenseite du stehst?!

14 Oktober 2005 Wien
deutsche Fassung: Nahid Bagheri - Goldschmied

 

Von einer Fremdheit zur anderen

Der Abstand zwischen Mutter und Tochter:
Ein paar Winter, ein paar stille Jahre,
in denen das Mädchen
in jedem Winkel des Hauses
sich in einer Sackgasse gefunden hat.
Sehnsucht nach Flucht krallte sich
in seinen jungen Gedanken fest.

Wie träge schlich die Zeit,
wenn sich die Mutter neben der Katze
an die warmen Möbel lehnte,
zufrieden und still
auf ihr kleines Imperium herablächelte.
Sie: Die Göttin der Liebe,
der Schönheit, des Stolzes,
mit einer Papierkrone.
Ihr gesamtes Hoheitsgebiet:
Spiegel, Schlafzimmer, Küche.
Und Frühling für Frühling ist,
sobald der Granienstock einen Riss bekam,
ihr mütterlicher Schoß fruchtbar geworden.

Jenseits der hohen Gartenmauer
die Stadt voll Festfreude
über die Regierungserklärung:
Lautsprecherwirbel,
unverschämte Verkündungen.
Die offiziellen Gesetze schlachten
die Frau zum Halbmenschen vor Gericht,
zum Halbmenschen als Augenzeugin,
die Frau zum Halbmenschen…
Die Frau, die Göttin der Liebe.
der Schönheit, der Fruchtbarkeit.

An diesem Tag bekam das Bauchfell
der Gewohnheit einen Riss.
Der Vater verstand die Zeit nicht mehr.
(Ihre Mutter ist doch nie allein verreist,
und vor ihr siebzig Großmütter hintereinander
sind nicht aus dem Haus gegangen
ohne Vater oder Mann.)
Und das Mädchen
flieht vor den Fettaugen der Küche.

An diesem Tag hat sie still vom Boden
ihren gepackten Koffer gehoben,
den ekelhaft alten, der ihr den Muffgeruch
all der Jahre in die Nase steigen ließ,
die staubigen Gedanken ihrer Geschichte,
das große Grab all der Generationen von Frauen.

Heute steht ihr Koffer auf einer Erde,
die ein Schmelztopf der Nationen ist.
Und auch hier: Gesetze, Lautsprecherwirbel:
Ausländer sind Menschen zweiter Klasse.

 

Der Papierdrache

Staatsbürger der Verzweiflung bin ich:
ein Papierdrache mit zerrissenem Faden,
der manchmal bei dem Abstieg,
durch zornigen Wind weggedrängt wird,
von Zeit zu Zeit plötzlich
bis zum Sonnenpalast hochfliegt.

Die Nacht breitet ihre Farben über die Stadt.
In welchen Gassen und Siedlungen spazierst du herum?!
Du! Mutwilliges Kind des Schicksals!

Wann zähmen deine Hände wieder
die Fäden dieses Papierdrachens?!
Über welchem Haus kannst du
die Fahne meiner winzigen Freude hissen?
Kennst du ein Dach?!

Wien, Jänner 07
(deutsche Fassung: Nahid Bagheri - Goldschmied)

 

Sprich mit mir nicht über die Angst

Wie staunenswert!
Der Holzwurm Angst,
bleibt allein,
er atmet nicht mehr,
und benagt nicht mehr
die Scheidewand der Gedanken,
wo die Gazelle Liebe,
leicht und graziös einherschreitet
die grünenden Wälder der Zivilisation
durchquert,
und bei jedem Stehenbleiben
um frischen Atem zu holen,
den Duft der menschlichen Wunder spürt.

Sprich mit mir nicht über die Angst,
weil ich mit allen Wäldern der Welt
vertraut geworden bin
Mein Rock ist voller Blumenduft.

Wien 2006

 

Bedürfnis

Bei Sonnenaufgang,
bei jeder Morgendämmerung,
wenn Erde und Sonne sich im Beischlaf hingeben,
wachse ich aus der erwärmten Eizelle der Erde.

Bis hin zur Höhe der Herrlichkeit des Morgens
Werde ich der lebhafteste Lobpreis der Liebe,
von Kopf bis Fuß: Gesang!

Im blauen Himmel des Lebens
breitet mein Blick die Flügel aus,
und mein orientalisches Herz, leidenschaftlich,
zigeunerhaft, beginnt ein anderes Pochen …

Versperrte Brücken überspannen,
einschüchternd wachende Stacheldrähte überfliegen,
die fünf Kontinente furchtlos durcheilen,
- da ist der fiebernde Puls der Menschheit.

In der klaren Weite meiner Gedanken:
Meine vielrassigen, hungrigen Kinder,
kränkelnd, die Zukunft erbrechend,
blasse Träume gähnend,
wartend auf Brot.

Die Menschheit schreit,
und mein orientalisches Herz schlägt
für die wesentlichen Bedürfnisse:
Brot
Frieden
Freiheit

Wien, 1986

 

Atemberaubend

Tick Tack Tick Tack
Die Zeit liegt im Niemandsland
zwischen den Minuten,
und die Tragödie beginnt.

Der Tag, schwächlich und alterskrank,
schleppt sich bis zur Mauer der Dämmerung,
wo er langsam hinstirbt .
In einer Sänfte wirbelt der Sturm
die blutgierige Hexe Nacht herbei.

Wolken brüllen ohne Regen,
die Hexe tanzt auf der Leiche des Tages.
Gassen, Straßen, die ganze Stadt
liegen angstklappernd in Ketten.
Tick Tack Tick Tack
Und die Tragödie dauert an.

An mein Haus pumpert der Sturm mit Getöse.
Andauernder Verfall ist mein Haus.

Wolkenräuber raffen das Mondlicht
vom Dachfirst,
der Sturm, dieser Grobian,
zerschlägt alle Fenster.

In dieser unersättlichen Finsternis
überziehen sich alle Spiegel
mit schwarzem Filz.
Ein Windstoß hat meine Abendlampe
noch vor dem Aufleuchten gelöscht.

Draußen auf der Trasse zittere ich
in den Fängen der Nacht.

Weither das das Lärmen von Glocken:
Ding Dang Ding Dang
Mach dir keine Gedanken über meinen Verfall.
Die Niemandslandzeit bewirkt,
dass solche Tragödien kein Ende haben.
Aber irgendwo ist immer schon
eine Morgendämmerung unterwegs mit neuem Atem.

Wien. 1984

 

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